Peer Paying: Gemeinschaftliche Zahlungslösungen für den Alltag

Peer Paying

Gemeinschaftliche Zahlungslösungen für den Alltag

Peer Paying ermöglicht es uns im sozialen Leben Gruppenaktivitäten zusammen zu finanzieren, ohne dass der finanzielle Aspekt für eine einzelne Person zu sehr in den Vordergrund treten oder eine Person in Vorleistung gehen muss. Anstelle hiervon ist es wünschenswert diese Aspekte zu automatisieren, um vom gemeinsamen Erlebnis, der primären Aktivität, nicht abzulenken.

Als Menschen sind wir soziale Wesen, die gemeinsame Aktivitäten mit anderen erleben. Zu jeder dieser Aktivitäten gehört immer auch der Moment, in dem Rechnungen oder Kosten für diese Aktivitäten beglichen werden müssen. Oftmals beginnt die Gruppe damit, dass jeder Einzelne sich mit den anteiligen Kosten beschäftigt bis eventuell ein Einzelner sich dazu bereit erklärt die Kosten vorläufig zu übernehmen. Die Abrechnung erfolgt in diesem Fall später.

Da es nur unzureichende Services für solche Situationen gibt, gelangt die Gruppe früher oder später an diesen Punkt. Dieser ist mit Unsicherheiten verbunden, was sich nicht positiv auf das Erlebnis auswirkt.

Peer – Lösungen erlauben es dem Menschen sich auf primäre Aktivitäten zu konzentrieren, während damit verbundene sekundäre und tertiäre Aktivitäten automatisiert werden. Bezogen auf Gruppenaktivitäten haben wir drei Verfahren identifiziert, die sich dafür eignen: Peer Saving, Peer Collecting und Peer Spending.

Sie grenzen sich von anderen geläufigen Formen aus dem Peer Financing ab, welche einen vertragsrechtlich bindenden Umfang haben: Peer Lending, Crowdfunding, Social Banking oder Peer Banking.[1]

Ziel des Artikels ist es die drei identifizierten Verfahren näher zu untersuchen und bestehende Lösungen zu diskutieren. 

Peer Saving

Als Peer Saving versteht man, wenn eine Gruppe für sich gemeinsam ein Sparziel festlegt. Der Gedanke hier ist, dass zu einem von der Gruppe definierten Zeitpunkt, jeder in der Lage ist die Einlage auch zu erbringen. Dabei kann kein Einzelner über den Gesamtbetrag verfügen, ohne sich mit den anderen abzustimmen. Als Beispiel können wir uns folgende Situationen vorstellen: Eine Wohngemeinschaft braucht einen neuen Kühlschrank, alte Freunde wollen sich eine Auslandsreise leisten oder ein Pärchen möchte für sein wiederkehrendes Jubiläum etwas Extravagantes unternehmen.  

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Peer Saving beschreibt vor allem den Sparprozess, also den Weg zum Ziel, und bringt dabei den Vorteil mit sich, dass das Sparen der Beträge durch den Einzelnen die erste Phase einer Gemeinschaftsaktivität darstellt. Dies kann motivierend wirken und sogar eine Gruppendynamik entwickeln. 

Wo liegt das Problem?

Sparen ist immer ein Prozess. Dies bedeutet für ein gemeinsam festgelegtes Sparziel, dass ein hohes Maß an Commitment und Disziplin von jedem Einzelnen über eine längere Zeitspanne hinweg abverlangt wird. 

Warum ist das ein Problem?

Wenn das Commitment gebrochen wird, erkennt die Gruppe zu spät ob ein Einzelner sein Sparvorhaben eingehalten hat. Dies gefährdet die gemeinsam geplante Aktivität und den Zusammenhalt in der Gruppe. 

Welche Herausforderungen gibt es?

Bisher stellt das klassische Gemeinschaftskonto auf einer Bank die einzige Lösung dar, welche viele Einschränkungen und Risiken mit sich bringt. Alternativ spart jeder auf sein eigenes Konto. Das beseitigt zwar die beschriebenen Risiken eines Gemeinschaftskontos, birgt aber das neue Risiko, dass die positiven Effekte einer Gemeinschaft, wie Motivationseffekte und Gruppendynamik, verloren gehen.

Das Sparziel sollte hinsichtlich der Höhe und der Beiträge flexibel sein. Die finanzielle Ausgangslage jedes Gruppenmitglieds ist unterschiedlich. Daher ist es wichtig, auf alle individuell eingehen zu können.

Gruppenaktivitäten bemessen sich auf kurz- bis mittelfristige Sparziele. Hier weisen klassische Bankprodukte erhöhten Aufwand auf, welcher mit dem Sparziel in Relation gesetzt werden muss. Banken sind dazu verpflichtet alle Identitäten, die ein Bankkonto eröffnen, zu jeder Zeit an die Finanzbehörden melden zu können. [3] Damit müssen sie, wenn ein gemeinsames Bankkonto eröffnet werden soll, alle Beteiligten identifizieren. Damit geht ein hoher Aufwand in Form von Formalitäten und Planung einher. Eine weitere Herausforderung in Bezug auf Gemeinschaftskonten stellt die Befugnis innerhalb der Gruppe dar. Jeder Bevollmächtigte hat Zugriff auf das Ersparte. Ein Kontrollmechanismus existiert derzeit nicht. Das erfordert ein hohes Maß an Vertrauen zwischen den Beteiligten, was die Auswahl der Gruppen-mitglieder wiederum einschränkt.

Die größten Herausforderungen stellen also die Flexibilität des Sparziels und die Absicherung der Sparbeträge aller Beteiligten dar.

Welche Lösung oder Konzept existiert?

Technisch ließe sich ein virtuelles Gruppenkonto umsetzen, welches die Erstellung eines Sparziels und das Einladen von Personen ermöglicht, sowie das Abbilden der virtuellen Einzahlungen der Gruppenmitglieder. Die Herausforderung hier ist, die Sparbeträge auf dem richtigen Konto des Gruppenmitglieds zu imitieren, damit auch wirklich ein Sparprozess einsetzt. Durch eine neue Gesetzgebung PSD2 lassen sich Kontoinformationen einzelner Bankkonten bankenübergreifend abfragen. [5] Auf diese Weise lassen sich die Ausgaben und das tatsächlich verfügbare Einkommen eines Bankkontos mit den virtuellen Sparbeträgen vereinen. Das sichert die positiven Effekte aus einem gemeinschaftlichen Sparprozess, während der Zugriff auf das Ersparte jedes Einzelnen limitiert wird. 

Peer Collecting

pexels viktoria slowikowska 5332481 scaledPeer Collecting befasst sich mit dem Einsammeln von Geldbeträgen innerhalb einer Gruppe. Dieser Fall tritt auf, wenn eine Person die Rechnung für die Gruppe übernimmt. Folgende Beispiele veranschaulichen diesen Fall: Das Mieten von Sportplätzen wird als Gruppenpreis angeboten. Hier muss gezwungenermaßen eine Person erst einmal die Rechnung übernehmen und sammelt vor oder nach dem Spiel das Geld ein. Ein weiteres Beispiel sind Geschenke. Oft legt man hier als Gruppe zusammen und eine Person kümmert sich um die Beschaffung. 

Peer Collecting kann, aber muss sich nicht Peer Saving anschließen. Es befasst sich rein mit dem Einsammeln von Geldbeträgen und es wird davon ausgegangen, dass diese bereits bei jedem Gruppenmitglied vorhanden sind. 

Wo liegt das Problem?

In der Praxis findet sich eine Gruppe schnell zusammen, um etwas gemeinsam zu unternehmen. Die Organisation und das Finanzielle hängt jedoch an einer Person. Es existiert daher Mehraufwand für den Einzelnen. Die Praxis zeigt, dass der Verantwortliche oft auch einzeln auf die Gruppenmitglieder zugehen muss. 

Warum ist das ein Problem?

Die Organisation einer Aktivität wird oft mit dem Aufwand dahinter in Verbindung gebracht. Daher kann es dauern bis sich ein Verantwortlicher findet, da es an Lust oder Zeit mangelt. Zumindest am Zeitaspekt kann Peer Collecting ein Teil einer Lösung sein. 

Welche Herausforderungen gibt es?

Da beim Peer Collecting die Rechnung meist von einer Person getragen wird, begibt sich diese Person in Abhängigkeit der Gruppenmitglieder. Er oder sie muss sich darauf verlassen, dass alle Gruppenmitglieder in der Lage sind den Geldbetrag zu leisten und kann den Zeitpunkt der ihrer Rückzahlung nicht festlegen. 

Welche Lösung oder Konzept existiert?

Es existieren einige Lösungen, die sich mit dem Festhalten von Ausgaben in einer Gruppe befassen, zum Beispiel Splid oder Splitwise [5]. Das tatsächliche Einsammeln der Beträge können aber nur zwei Anbieter: PayPal und Tabbt.

PayPal bietet die Funktion eines „MoneyPools“ an. [6] Voraussetzung ist natürlich ein PayPal – Konto. Hier kann ein „MoneyPool“ von einer Person erstellt werden, der einen Ausgabezweck, einen Zielbetrag und ein Enddatum beinhaltet. Außerdem kann für alle Teilnehmer die Option ausgewählt werden den bisher gesammelten Betrag anzuzeigen. Ist der Zielbetrag erreicht, werden alle Teilnehmer informiert und der Betrag eingezogen. Die Zustimmung hat der Teilnehmer beim Betritt zum MoneyPool gegeben. Damit ist zu jeder Zeit transparent, welche Beträge noch offen sind und wer noch zu zahlen hat. Auf diese Weise wird dem Verantwortlichen der Gruppe das Einsammeln der Beträge erleichtert und auch allen Gruppenmitgliedern die Ausgaben offengelegt. 

Tabbt, als weiterer Anbieter von Peer Collecting, erlaubt es ähnlich zum Moneypool einen Ausgabezweck festzulegen und dann Kontakte aus dem Adressbuch des Anwenders hinzufügen. Da die Anwendung nicht nur die Kalkulation der Einzelbeträge übernimmt, sondern sich auch Bankkonten anbinden lassen, können alle Gruppenmitglieder anschließend ihren zu zahlenden Geldbetrag senden [7]. Auf diese Weise schafft auch Tabbt mehr Transparenz der Ausgaben und erleichtert das Einsammeln der Beträge. 

Peer Spending

An das gemeinsame Sparen und Einsammeln der Geldbeträge über Peer Saving und Collecting knüpft das Peer Spending, also das gemeinsame Zahlen als Gruppe, an. Gemeinsam Erspartes ließe sich so zum Beispiel auch auf einer Urlaubsreise gemeinsam ausgeben.

Um am Finanzmarkt teilnehmen zu können, braucht man ein Bankkonto. Daher ist es bisher für eine Gruppe nur möglich als zahlende Identität aufzutreten, wenn sie ein gemeinsames Konto besitzt. 

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Wo liegt das Problem?

Nun kann ein gemeinsames Konto für alle Gruppenmitglieder als klassisches Konto eröffnet werden, dessen Nachteile bereits im Kapitel Peer Saving beschrieben wurden. 

Warum ist das ein Problem?

Ein gemeinsames klassisches Konto verfügt nicht über genügend Kontrollmechanismen. Sobald ein Mitglied eine Ausgabe getätigt hat, können die restlichen Mitglieder die Transaktion nachvollziehen, aber nicht stoppen. Ein hohes Maß an Vertrauen wird vorausgesetzt. 

Welche Herausforderungen gibt es?

Nur ein Gemeinschaftskonto erlaubt es einer Gruppe auch am Finanzmarkt teilzunehmen und schafft die höchste Transparenz untereinander. Dabei muss aber das verfügbare Geld jedes Einzelnen vor Missbrauch geschützt werden, ohne die Flexibilität der Gruppe zu beeinträchtigen. 

Welche Lösung oder Konzept existiert?

Ein gemeinsames zahlungsfähiges Konto lässt sich mit heutigen Technologien abbilden. Über Zahlungsauslösedienste kann auch ein virtuelles Konto zahlungsfähig werden [9]. Derzeit wächst dieser Markt und beinhaltet unter anderem folgende Wettbewerber: Apple Pay, Google Pay, Samsung Pay und PayPal. Über einen angebundenen Zahlungsauslösedienst wird das Gemeinschaftskonto selbst zahlungsfähig und beinhaltet die dahinter liegenden angebunden Konten der Mitglieder über die jede Zahlung des Gemeinschaftskontos ausgeglichen wird. Ein Kontrollmechanismus ist ebenfalls gegeben. Wird nämlich eine gemeinsame Zahlung über das Gemeinschaftskonto von einem Mitglied initiiert, wird diese erst ausgeführt, wenn alle lokal auf ihrem eigenen Smartphone diese bestätigt haben, per Knopfdruck oder einer der vielen Legitimationsarten wie Fingerabdruck oder FaceId. So wird die Zahlung von den angebundenen Konten der Gruppenmitglieder über das Gemeinschaftskonto eingezogen und von dort an den in Anspruch genommenen Dienstleister gesendet. 

Fazit

Die drei Konzepte zeigen, dass es im Bereich Peer Paying bereits Lösungen am Markt gibt, die es einer Gruppe erlauben, den Fokus auf die gemeinsame Aktivität zu legen und sich weniger mit den zugrunde liegenden finanziellen Aspekten beschäftigen zu müssen. Eine Kombination aus den drei Konzepten ist möglich und bietet den höchsten Grad an Automatisierung dieser finanziellen Aspekte.

Die Analyse zeigt, dass sich Peer Saving und Peer Spending noch überwiegend in einer konzeptionellen Phase befinden. Das bedeutet, dass gerade hier die größten Chancen für Unternehmen bestehen sich von ihren Wettbewerbern zu differenzieren.

Zahlungsauslösedienste, als wichtigster Baustein des Peer Spendings, stellen aus Endnutzersicht neben Kreditkartenzahlung und Überweisung weitere Zahlungsmethoden dar und sind in ihrer Verwendung dadurch beschränkt, inwieweit sie in den Verkaufsstrecken von Händlern angeboten werden. Aus Händlersicht besteht der Anreiz alle Zahlungsmethoden einzubinden, um dem Endnutzer größte Flexibilität bei der Bezahlung zu gewähren. Da die Anbindung und Verwendung weitestgehend identisch sind, unterscheiden sich die verschiedenen Zahlungsmethoden nur noch darin, dass es unter Umständen ein paar Prozente Rabatt auf den Einkauf gibt. Hier bieten Peer Saving, Peer Collecting und Peer Spending dem Kunden weitere Anwendungsfälle für die Verwendung eines Zahlungsdienstes an und erhöhen damit die Kundenbindung. Peer Paying und seine zugrunde liegenden Konzepte sprechen immer eine Gruppe von Leuten an, was ebenso die Verbreitung verstärkt.

Ausschlaggebend für den Erfolg von Peer Paying ist jedoch seine Nutzerfreundlichkeit. Wenn diese nicht gegeben ist, werden vor allem Gruppen nur schwer zu motivieren sein. 

Bei der adorsys selbst setzen wir am Anfang des Peer Payings an und liefern den ersten Baustein für die Lösung des Peer Savings. Mithilfe unseres Open Banking Gateways haben wir nahezu alle Banken im deutschen Raum über die von PSD2 vorgegebenen XS2A – Schnittstelle angebunden. Somit war es bereits einer Vielzahl von Endnutzern möglich, über Web – und mobile Bankenanwendungen ihre Bankkonten anzubinden und eine Gesamtübersicht dieser einzusehen.

Quellen und Bildnachweise

[1] https://www.gabler-banklexikon.de/definition/peer-peer-finance-70757

[2] Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/action-aktion-blau-draussen- 1549196/? utm_content=attributionCopyText&utm_medium=referral&utm_source=pexels

[3] https://www.gesetze-im-internet.de/gwg_2017/__14.html

[4] Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/restaurant-mann-menschen-frau- 5332481/? utm_content=attributionCopyText&utm_medium=referral&utm_source=pexels

[5] https://splid.app/german und https://www.splitwise.com/

[6] https://www.paypal.com/de/webapps/mpp/money-pools

[7] https://www.tabbt.com/features

[8] unsplash: https://unsplash.com/photos/2FPjlAyMQTA Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-hand-gesichtslos-geld- 4386421/? utm_content=attributionCopyText&utm_medium=referral&utm_source=pexels

[9] https://www.bundesbank.de/de/aufgaben/unbarer-zahlungsverkehr/psd2/ psd2-775434 8